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„Missverständnisse sind der Normalfall“
Glaube sucht Verstehen

1. Einleitung

„Missverständnisse sind der Normalfall“.
Das ist ein Satz, den ich kürzlich in einer kleinen Schrift der Diakonie Hessen gelesen habe.

Die Schrift heißt:
Nächstenliebe verlangt Klarheit –
Auseinandersetzungen wagen und im Gespräch bleiben.

Mein Gedanke war: Wow!
Endlich wird mal klar gesagt, was jeder und jede ständig erlebt.
- Ich werde nicht verstanden.
- Du verstehst mich nicht.
- Das verstehe ich nicht.
- Keiner versteht mich.
- Die kann ich nicht verstehen.
- Der hätte das doch verstehen müssen.
- Wie soll ich das verstehen?
- Verstehen sie mich nicht falsch! Aber wie ist richtig?

Diese Rufe hört man so häufigin Partnerschaften und Beziehungen, bei Kindern, mit Blick auf die Welt und Gott.

Reden zwei Männer:
Ich verstehe meine Frau nicht mehr. Ach, du versuchst das noch?
Reden zwei Frauen:
Ich verstehe meinen Mann nicht mehr. Ach, du versuchst das noch?

Und dann der Ruf von einigen: Ich habe aufgehört, Menschen verstehen zu wollen.

Und viele haben Probleme, ihr eigenes Leben zu verstehen.

2. Ziel und Aufgabe: Verstehen

Wir sollen einander zu verstehen versuchen.
Das ist ein Auftrag.
Verstehen ist das Ziel.

Das entspringt der Aufgabe der Nächstenliebe.
Das wird besonders deutlich in einem der Grundtexte für gutes Verhalten für die Christen und Christinnen. Philipper 2.

Philipper 2,5 Denkt im Umgang miteinander immer daran,
welchen Maßstab Christus Jesus gesetzt hat:
6 Von göttlicher Gestalt war er.
Aber er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein – so wie ein Dieb an seiner Beute.
7 Sondern er legte die göttliche Gestalt ab und nahm die eines Knechtes an.
Er wurde in allem den Menschen gleich.
In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch.
8 Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz.
9 Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht:
Er hat ihm den Namen verliehen, der allen Namen überlegen ist.
10 Denn vor dem Namen von Jesus soll sich jedes Knie beugen – im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.
11 Und jede Zunge soll bekennen:
»Jesus Christus ist der Herr!«
Das geschieht, um die Herrlichkeit Gottes, des Vaters, noch größer zu machen.


Philipper 2, dieses Lied, hat ein Ziel:
Es will Einigkeit und Einigung, Demut, Gehorsam, Gemeinwohl und Gemeinnutz (statt Eigennutz und Selbstsucht), Frieden (statt Streit), Dienst, Respekt.
Das ist die Absicht, wegen Jesus und seinem Weg und seinem Verdienst: Versteht euch!

3. Verstehen ist schwer und Arbeit

„Missverständnisse sind der Nomalfall“
Kommunikation ist weit weniger eindeutig als wir im Alltag glauben.

Verstehen heißt:
- Ich interpretiere und deute das, was ich mit meinen Sinnen aufnehme.
- Ich höre, sehe, rieche, fühle, schmecke.
- Ich interpretiere das, was ich wahrnehme, lege es aus.
- Ich erfasse und begreife es.
- Ich kann mich in die Lage einer anderen Person hineinversetzen, ich kann gesendete Zeichen deuten.
- Ich erfasse den Zusammenhang, in dem der Sachverhalt steht.
- Ich habe Verständnis für ihn und das was er sagt und tutich finde seine Verhaltensweise, seine Haltung, Reaktion als logisch, konsequent, richtig und normal.

Auf diese Weise muss man ja nicht nur Menschen und Handlungen verstehen, auch Musik, Kunst, Texte, Ereignisse, Sinneseindrücke, Erfahrungen.
Sie sind zu deuten, auszulegen, erfassen, begreifen, zu interpretieren.

Schülerinnen und Schüler trainieren das in der Schule.
Lehrerinnen und Lehrer wollen, dass Schülerinnen und Schüler etwas verstehen – auch wenn ihnen das oft nicht gelingt.

Man braucht dazu
- einen Deutungsrahmen
- einen Verstehenshorizont
- Wissen über Gesellschaft und Personen, Strukturen
- Schubladen im weitesten Sinn.

Verstehen braucht etwas Verstand.

„Missverständnisse sind der Nomalfall“
Kommunikation ist weit weniger eindeutig als wir im Alltag glauben.

Der Prozess des Verstehens kann sehr schwer sein.
Und falsche Deutungen gibt es schnell
- In der Beziehung
- Bei der Schwiegermutter
- Mit der Freundin
- Auf der Arbeit
- Bei der Kindererziehung

Der Zusammenhang, warum etwas gesagt oder getan wird, ist oft nicht klar.
Es fehlen Fakten, Geschichte, Erfahrungen, Wissen, Gefühle, Situation.
Ohne das, wie soll man sich in einen Menschen hineinversetzen können.
Und dann bleibt das Kopfschütteln, die Verständnislosigkeit, das Unverständnis und das Missverständnis.

Bei Beziehungen ist es oft so, dass gerade am Anfang die Fetzen fliegen.
Man muss sich ja erst einmal informieren, erklären, Grenzen abstecken.
Und Streit, wenn er ordentlich läuft, führt zu Erkenntnisgewinn, zu Verstehen und Verständnis.
Streit, wenn er ordentlich läuft, schärft den Verstand, den ich für ein Verständnis brauche.

Besonders schwer ist es, wenn etwas gegen unsere Erfahrung geht.

Ich will nicht nur zur Kenntnis nehmen, ich will verstehen.

4. Nächstenliebe verlangt Klarheit –
Auseinandersetzung wagen und im Gespräch bleiben.

So heißt die Schrift der Diakonie Hessen.
Dort wird so argumentiert: Überall wird diskutiert. Viele fühlen sich sprachlos. Manche wisse nicht, wie sie angemessen reagieren können. Wir hören Parolen und Vorurteile. Wie kann man offen und mit Achtung miteinander reden?

Dieser kleinen Schrift geht es in wenigen Sätzen darum, dass wir Empathie, Wertschätzung und Authentizität beim miteinander reden haben, dass man seine Meinung sagt und gleichzeitig offen ist für andere, dass man die Auseinandersetzung wagt und dass man nicht in den Grizzlymodus fällt, wenn man sich bedroht fühlt. Weglaufen und fliehen oder aggressiv werden, das ist der Grizzlymodus. Um sich beißen als Verteidigung.
Es geht darum, dass man im Gespräch bleibt und am Ende des Streitgesprächs, des Diskurses, schlauer ist.

Wir schwätzen uns schlau. Das ist das Motto für eine komplexen Welt mit unübersichtlichen Lagen. Nachdenken und Aushalten. Damit Begegnung und Beziehung gelingt.

Ohne Worte kann man sich nicht verstehen.
Ohne Nachdenken und Analysieren wird es auch schwierig.

5. Glaube sucht Verstehen

Anselm von Canterbury hat das gesagt.
Karl Barth hat das gesagt: Fides quaerens intellectum.

Der glaubende Mensch ist auf der Suche nach Verstehen.
Er will Gott verstehen.
Er will die Menschen verstehen.
Er will Situationen verstehen.

Philipper 2 macht das deutlich.
Philipper 2, dieses Lied, hat ein Ziel: Sucht Einigung, Gemeinwohl, Frieden, Respekt.

Sucht das wegen Jesus und seinem Weg und seinem Verdienst.

Freue dich jedes Mal, wenn du etwas verstehst.

Bemühe dich darum, andere Menschen zu verstehen.
Es braucht eine Verstehenswilligkeit und eine Verstehensbereitschaft. Manchmal ist Verstehen ein Prozess.

Nächstenliebe und Gottesliebe ist uns aufgetragen.

Investiere dahin, dass du verstehst durch Zeit und Anstrengung.

6. Ist Gott verständlich?

Für manche ist Gott unverständlich.

Gottes Wort jedenfalls ist verständlich, klar, übersetzt, lesbar und es steht überall zur Verfügung durch das Internet.

Jesus ist verständlich. Wir haben Karfreitag und Ostern und das hat sein Handeln und Reden für alle klar werden lassen. Auch für seine Jünger, die ihn zunächst nicht verstanden (Jüngerunverständnis).

Für Gottes Wort gibt es Menschen, die beim Verstehen helfen. Wie bei dem Kämmerer aus Äthiopien, der auf der Rückfahrt nach Hause in der Jesajarolle las und nichts verstand. Aber dann ein einer, der konnte es erklären, Philippus, und am Ende wurde der Finanzminister in einem Teich getauft. Das Verstehen hatte funktioniert.

Sich zu verstehen ist ein Zeichen von Intimität und Nähe und Liebe.
Das ist bei Menschen so und das ist bei Gott so.