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Abgedruckt in: Miteinander. Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Niederweidbach, Nr. 51, Feb., März, April, Mai 2008, 5-8.

Die Weihnachtszeit liegt hinter uns. Viel haben wir gehört über Maria, Josef, das Kind in der Krippe, Ochs und Esel. Jedoch: der Ochse und Esel kommen in der Weihnachtsgeschichte nicht vor. Wie stark Weihnachten von der Tradition geprägt ist, wird auch an diesen Tieren deutlich. Vielleicht hat man den Esel hinzugedichtet, weil man der armen, hochschwangeren Maria nicht zumuten wollte, dass sie zu Fuß von Nazareth nach Bethlehem geht. Das sind immerhin rund 100 Kilometer. Also bekommt sie im Volksglauben einen Esel. Und wenn sie schon mit ihm angeritten kam, dann steht er natürlich auch neben dem Ochsen im Stall.

Der Esel ist ein interessantes Tier. Vor 4000 Jahren hat man in Ägypten die wilden Esel erstmals domestiziert, d.h. zum Haus- und Arbeitstier gemacht. Auf der einen Seite gilt der Esel als dumm, störrisch und fast wertlos. Auf der anderen Seite war er unersetzlich als Arbeitskraft und Lastenträger, und dann auch als Reittier. Der Esel gehörte zum Leben damals in Israel dazu. Ein Herrentier war der Esel aber nie. Herrentiere waren Pferd, Dromedar, Kamel und Elefant. Der Esel war das Tier der Mittelschicht und der Unterschicht. Das Tier der Arbeiter und Bauern. Wenn man einem armen Menschen den Esel stahl, dann nahm man ihm Hilfe und Einkommen.
Im 10. Gebot heißt es daher auch: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Rind oder Esel.„

Der Grund, warum der Esel und der Ochse in der Weihnachtsgeschichte vorkommen, hat mit einem Satz des Propheten Jesaja zu tun. 800 Jahre vor Jesu Geburt hat der Prophet Jesaja eine Klagerede über das Volk Israel gesprochen. “Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht, und mein Volk versteht’s nicht.„ Damit wird das von Gott abgefallene Volk angeklagt. Selbst das Vieh ist einsichtiger als die Menschen. Wenn der Herr kommt, kommt das Vieh, weil es weiß, wo es hingehört und dass es vom Herrn versorgt wird. Israel ist also dämlicher als jeder Ochse und dümmer als ein Esel. Die Krippe, die sowohl in der Weihnachtsgeschichte und in diesem Satz von Jesaja vorkommt, verbindet nun beide Geschichten. Schon im 3. Jahrhundert begann man daher, den Ochsen und den Esel aus dem Buch Jesaja an die Krippe zu stellen, in der Jesus lag.

In der Weihnachtsgeschichte kommt der Esel also nicht vor, aber es gibt viele Geschichten, in denen er eine wichtige Rolle spielt: Eine wunderbare Geschichte ist die Geschichte von Bileam. Bileam war ein Gegner des Volkes Israel. Er wollte das Volk verfluchen und ritt auf seiner Eselin zum Volk hin, um das zu tun. Das stellte sich dem Bileam und seinem Esel der Engel Gottes in den Weg, um den Fluch zu verhindern. Bileam war blind für Gott und für den Engel. Der Esel aber sah den Engel und wollte ihm auf einem schmalen Weg durch die Weinberge ausweichen. Das ging aber nicht wegen einer Mauer – und Bileams Fuß wurde gequetscht. Bileam schlug die Eselin und trieb sie an. Als die Eselin sah, dass sie nicht vorbei kam, legte sie sich hin. Bileam wurde rot vor Zorn und schlug sie erneut. Da gab Gott der Eselin die Fähigkeit zu sprechen und die Eselin sagte: »Du hast mich jetzt schon dreimal geschlagen. Was habe ich dir denn getan?« Bileam schrie: »Zum Narren hältst du mich! Wenn ich ein Schwert hätte, wäre es schon längst um dich geschehen.« Die Eselin sagte: »Schon so lange reitest du nun auf mir und kennst mich genau. Warst du bisher jemals unzufrieden mit mir?« Bileam: »Nein, nie«. Da öffnete der Herr dem Bileam die Augen und er sah den Engel mit dem Schwert mitten auf dem Weg stehen. Bileam warf sich vor ihm nieder, das Gesicht zur Erde. Der Engel sagte: »Warum hast du deine Eselin nun schon dreimal geschlagen? Ich selbst habe mich dir entgegengestellt, weil du auf einem verkehrten Weg bist. Aber deine Eselin hat mich gesehen und ist dreimal vor mir ausgewichen. Du verdankst ihr dein Leben, denn wenn du weitergeritten wärst, hätte ich dich getötet; nur sie hätte ich verschont.« Bileam sieht sein Unrecht ein und geht nun zum Volk Israel um es zu segnen.
In dem bekannten Film über das Leben von Martin Luther spricht Luther zu dieser Stelle und er sagt sinngemäß: „Vielleicht bin ich ein Esel, aber schon einmal hat Gott durch einen Esel gesprochen.„

Eine weitere wichtige Eselsgeschichte in der Bibel ist die Geschichte vom Einzug Jesu nach Jerusalem. Alle vier Evangelien berichten davon, dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem hinein reitet. Erst holen die Jünger eine Eselin und ihre Füllen auf seine Anweisung in dem Dorf Betfage, dann reitet Jesus in die Stadt. Die Menschen reißen Palmzweige von den Bäumen und legen ihre Kleider als Teppich auf die Straße und schreien: „Hosianna – gepriesen sei der Sohn Davids„. Dieser Einzug wird im Matthäusevangelium als der Einzug des Königs nach Jerusalem gedeutet und dabei wird ein Ausspruch des Propheten Sacharja zitiert: „Freu dich, du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Bewohner Jerusalems! Seht, euer König kommt zu euch! Er bringt Gerechtigkeit, Gott steht ihm zur Seite. Demütig ist er vor seinem Gott. Er reitet auf einem Esel, auf einem starken Eselshengst.„ Jesus ist also ein König, aber ein König der besonderen Art. Er kommt nicht mit Waffen, sondern friedlich. Er ist ein König des Friedens und der Gerechtigkeit. Wer auf einem Esel reitet verzichtet auf Macht und Gewalt. Um das Jahr 600 kam die Bezeichnung „Palmsonntag„ auf. Seitdem wird in den Palmsonntagsprozessionen Jesus häufig als Figur auf einem Esel mitgeführt.

Es gibt noch viele Eselsgeschichten in der Bibel. Ich könnte von Jakob und Esau erzählen. Hier sind die Esel ein Geschenk, um den anderen zu besänftigen. Ich könnte noch von einem der zwölf Stämme des Volkes Israel erzählen, von dem Stamm Issachar. Issachar heißt Lastesel. Ich könnte auch noch von Saul erzählen, der auszog, die Esel seines Vaters zu suchen und dabei die Königskrone fand. Ich könnte auch noch von Martin Luther King und dem Busaufstand in Montgomery erzählen. Statt der Busse fuhren die Leute wieder mit Eselkarren und kämpften so für die Rechte der schwarzen Amerikaner.

An den Geschichten mit den Eseln lernen wir etwas über Gott, über Jesus und über uns. Aus der Tradition der Kirche kennen wir ein Gebet, das uns zeigt, dass Jesus unser Lastesel wurde und wir daher zu einem Lastesel für andere werden sollen. Dom Helder Camara hat das Gebet formuliert: „Laß mich dein Esel sein, Christus.
Herr Jesus Christus, du bist zu uns auf die Erde gekommen- auf einem Esel. Du willst nicht über die Menschen herrschen, sondern hast uns allen gedient. Du bist unser Sündenbock und Lastesel geworden; du hast alles auf dich genommen am Kreuz. Nun sind wir entlastet. Dafür danken wir dir. Aber nun wollen wir Lasten tragen von Menschen, die belastet sind. Wir wollen ganz in deiner Nähe sein. Laß uns deine Lastesel sein, Christus.„

Frank Rudolph