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Predigt bei der Konfirmation am 14.5.2006

Abgedruckt in: Miteinander. Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Niederweidbach, Nr. 46, Juni bis September 2006, 5-7.


Wer ist Gott? Wo ist Gott? Wie ist Gott? Das sind die Fragen, um die es im Konfirmandenunterricht ging. Um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns mit vielen Themen beschäftigt und 90 Unterrichtsstunden zusammen erlebt. Ihr wart Schüler und Schülerinnen, Auszubildende, jetzt seid ihr Ausgebildete zu diesen Fragen. Ihr könnt über euren Glauben Auskunft erteilen. Ihr könnt jetzt Paten und Patinnen werden.

Also: Wer ist Gott? Wo ist Gott? Wie ist Gott? Die Bibel ist kein systematisches Lehrbuch mit Lehrsätzen, die Bibel erzählt Geschichten, Geschichten über Menschen und über Gruppen, die Gott erfahren haben. In diesen Geschichten wird Gott erkennbar und greifbar. Gottes Spuren zeigen sich in unserem Alltag, in der Geschichte und im eigenen Leben.

Immer ist es Gott, der sich bekannt macht, der die Initiative ergreift und sich offenbart. Wer ist Gott? Wo ist Gott? Wie ist Gott? Einige Geschichte möchte ich in Erinnerung rufen.

1. Mose und Gott am Dornbusch. Mose steht vor dem Dornbusch, er brennt, verbrennt aber nicht. Gott spricht aus dem Dornbusch zu Mose. Mose fragt Gott, wie er heißt. Gott sagt: Ich bin, der ich bin. Diesen Satz kann man auf die Vergangenheit und auf die Zukunft deuten. Also: Ich bin, der ich war. Und: Ich bin, der ich sein werde. Du erkennst mich, wenn du zurückschaust und du wirst mich in der Zukunft erkennen. Du erkennst mich in deiner Vergangenheit und du wirst mich in deiner Zukunft erkennen, wenn du dich auf mich einlässt. Die Art und Weise, wie sich Gott bekannt macht, ist nicht immer gleich. Es gibt viele Möglichkeiten, Gottes Spuren zu entdecken.
2. Gott und die Väter, Abraham, Isaak und Jakob. In diesen Geschichten mit den Vätern erleben wir Gott als einen, der Versprechen gibt und seine Verheißungen erfüllt. Er verheißt dem Volk Land – das Volk bekommt das Land. Er verheißt Abraham Nachkommen – die Nachkommen werden geboren. Er begleitet und er schützt. Manchmal bringt Gott seine Verheißungen sogar gegen das Verhalten der Menschen zur Erfüllung. Gott führt die Väter und die Mütter in die Zukunft, indem er ihnen Schutz und Fürsorge auf ihrem Weg zusichert, Nachkommen und Landbesitz schenkt. Glaube ist, hoffend darauf zu Vertrauen, dass Gott seine Zusage wahr macht. Gott spricht Menschen an. Menschen vertrauen Gott, weil sie von ihm angeredet worden sind.

3. Gott führt das Volk Israel aus Ägypten, aus der Knechtschaft, aus der Sklaverei in die Freiheit. Gott rettet und befreit, so erfahren wir hier. Das ist eine Grunderfahrung mit Gott. Gott streitet für sein Volk. Gott führt und gibt seinem Volk eine Lebensgrundlage. Gott tut das, der der Schöpfer der Welt ist. Wenn man solche Glaubenserfahrungen mit Gott gemacht hat, dann erkennt man ihn leicht als Schöpfer. In diesen Geschichten der Rettung, Befreiung und Führung erleben wir Gott auch als den, der einen Bund mit dem Volk schließt und der Gesetze und Gebote gibt. Es ist ganz selbstverständlich, dass der gute Gott auch gute Regeln für das Zusammenleben der Menschen gibt. Er gibt die Zehn Gebote. Die Grundlage der Gebote ist die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Wende dich mir zu, sagt Gott. Liebe mich von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

4. Und dann ist da die Geschichte von Jesus Christus. Wer ist Gott? Wie ist Gott? Wo ist Gott? Das erkennen wir insbesondere an Jesus Christus, dem Sohn und Ebenbild Gottes. Das Leben von Jesus, sein Handeln und Reden ist ein Gleichnis Gottes. Im Handeln von Jesus und im Reden von Jesus erkennen wir, wie Gott ist. Jesus spricht häufig über das Reich Gottes. Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen, es ist mitten unter euch, sagt er. Jesus schildert und zeigt, wie Gott ist. Gott wendet sich den Menschen zu. Gott nimmt die Kleinen und Benachteiligten in den Blick. Gott macht Menschen heil an Körper und Geist. Gott kann Wunder tun. Gott vergibt Sünden. Wie und wer Gott ist, wird auch in den Gleichnissen deutlich, die Jesus erzählt. Gott wird dabei z.B. mit einem Schafhirten verglichen.

Wer ist Gott? Wie ist Gott? Wo ist Gott? Gottes Wesen und seine Eigenschaften werden in Bildern beschrieben. Von Gott wird in einer großen Fülle und Vielfalt gesprochen. Nur durch diese Fülle können wir annähernd ein Bild von Gott zusammensetzen. Nicht alle Bilder treffen immer gleichzeitig. Unsere Beziehung zu Gott ist ja lebendig und nicht starr. Die Beziehung zu Gott wandelt sich und kann je nach Lebenssituation unterschiedlich aussehen. Heute bei euch Konfirmanden und Konfirmandinnen ist die Lebenssituation anders als in 10, 25 oder 50 Jahren.

Mal wird Gott als Fels, als Burg und sicherer Ort beschrieben. Mal wird Gott als tröstende Mutter erlebt. Mal erscheint er als Retter, aber auch als Feind. Mal wird Gott dargestellt wie eine Person, die trägt, schützt, heilt, führt, bestraft, tröstet und ganz nahe ist. Mal erscheint er aber auch als fern, unbegreiflich und bedrohend, als jemand, der den Menschen Furcht einflößt. Manchmal müssen wir im Blick auf Gott mit Widersprüchen leben und glauben. Wir sehnen uns nach Einzelheiten, aber wir merken doch, dass nichts Gott wirklich und vollkommen abbildet. Er ist nicht darstellbar, nicht weltlich vorstellbar. Unsere Bilder sind immer nur vorläufig, damit müssen wir leben und glauben.

Eine Grundlinie im Reden von Gott gibt es aber dennoch. Sie zieht sich durch alle Geschichten hindurch: Gottes Wesen ist Liebe. Dies ist die Grundlinie, wie auch immer man Gott erlebt, das ist das Wesen Gottes und das darf man nicht vergessen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde, bleibt auf dem Weg mit unserem Gott. Wachst im Glauben. Nehmt euren Glauben mit durch die Jahre und Jahrzehnte eures Lebens. Lasst euren Glauben mitwachsen mit dem Leben, mit den Herausforderungen. Gott sehnt sich nach jedem und jeder von uns. Er möchte, dass wir mit ihm leben. Haltet euch zu ihm und vertraut ihm. Er ist an eurer Seite. Er segnet.

Frank Rudolph