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Festpredigt bei der Enthüllung der Gedenksteine 1200 Jahre Weidbach
Sonntag, 15. August 2004, am Backhaus

Abgedruckt in: Miteinander. Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Niederweidbach, Nr. 39, Sept.-Nov. 2004, 5-7.


Erinnert euch an die Gedenktage und erinnert euch an Gott! Erinnert euch. Heute erinnern wir an die 1200-Jahr-Feier vor zwei Jahren. Damals gab es ein ganzes Fest-wochenende: Discoparty mit Jörg Bombach von HR3, Abend der Vereine und Tanz mit der „Victoria Combo“, Ökumenischer Festgottesdienst, Historischer Festzug, Tanz mit den „Blue Stars“, Tombola und Frühschoppen. Mensch, was war da alles los. Erinnert euch. Erinnert euch auch an die privaten Gedenktage, an die Geburtstage, an die Hochzeitstage und an die Jahrestage. Wer diese Tage vergisst, erntet Ärger oder Tränen.

Erinnert euch. Der Mensch braucht Erinnerung. Ohne Erinnerung hat ein Mensch keine Vergangenheit. Wer sich erinnert, findet seine Identität. Es gibt heilsame Erinnerungen und schlechte Erinne-rungen, besinnt euch auf die heilsamen Erinnerungen. Erinnerung vergegenwärtigt. Erinnern gehört zur Lebensgeschichte. Durch die Erinnerung werden Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft. Durch sie wird Geschichte wiederholt. Unsere individuelle Lebensgeschichte ist mit einer kollektiven Lebensgeschichte verknüpft. Es gibt übrigens auch gefährliche Erinnerungen. Sie sind dann gefährlich, wenn genau das erinnert wird, was totgeschwiegen werden soll. Erinnerung an Tabus etwa.

Erinnert euch an die Gedenktage und erinnert euch an Gott! Erinnert euch. Das gilt auch für die großen Taten Gottes. Gott tut große Taten. Erinnert euch an den Schöpfer. Er hat die Menschen geschaffen, er schenkt das Leben. Die Menschen sind von ihm weggelaufen. Erinnert euch an Jesus Christus, er rettet. Erinnert euch an die Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Gott sandte seinen Sohn. Erinnert euch an den Heiligen Geist, die Kraftquelle Gottes. Erinnert euch an den Liebesbrief Gottes, die Bibel. Erinnert euch an die Geschichten, die in ihr stehen: der barmherzige Samariter, der blinde Bartimäus, Weihnachten, Ostern, der reiche Kornbauer, der verlorene Sohn. Erinnert euch an die Kirchengemeinde, die Versammlung der Glaubenden und Zweifelnden. In der Erinnerung wird Gott erkennbar. Nur aus den Erzählungen wird Gott erkannt.

Erinnert euch an Gottes Heilstaten. Erinnert euch an die Sakramente, Taufe und Abendmahl. Erinnert euch an den christlichen Lebensstil, denn Glaube ist auch ein Lebensstil. Erinnert euch an eure Konfirmation und euren Konfirmationsspruch. Erinnert euch an den Hochzeitsspruch. Erinnert euch an den Segen, ihr wurdet gesegnet bei der Taufe, der Konfirmation, der Trauung. Ihr seid Gesegnete Gottes. Erinnert euch.

Für das Erinnern gibt es Erin-nerungshilfen: Gedenksteine, Taufkerzen, Hochzeitskerzen, Urkunden, Kirchen mit ihren Kirchtürmen, Glocken, Sonntage und das Kirchenjahr. Das erinnert an Gott, an den Gott, der nichts von uns haben, sondern uns etwas geben will.

Erinnert euch und erzählt weiter. Erzählung kommt aus Erinnerung. Wir leben aus Erzählungen. Wir hören Geschichten und erzählen Geschichten. Wir suchen Menschen, die zuhören. Unsere Kinder brauchen die Geschichten. Von wem sollen sie die guten Geschichten hören, wenn nicht von uns. Durch die Geschichten lernen wir. Die Geschichten aus der Erinnerung sind Information, Unterhaltung und Wissensvermittlung.

Erinnert euch und bekennt. Erinnerung ist Bekenntnis. Bekennt euren Glauben. Sprecht ein Glaubensbekenntnis. Das einfachste und kürzeste heißt: Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter. „Gott ist tot“ heißt es manchmal. Gott ist nicht tot, die Erinnerung an Gott ist manchmal tot. Gott lebt und Gott soll in der Erinnerung und im Bekenntnis leben.
Es gibt einen Bibeltext aus dem ersten Brief von Paulus nach Korinth, der dies alles in eindrucksvoller Weise deutlich macht (1. Korinther 15,1-8):

„Brüder und Schwestern, ich erinnere euch an die Gute Nachricht, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen; sie ist der Grund, auf dem ihr im Glauben steht. Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr sie unverfälscht festhaltet - und zwar dem Wortlaut entsprechend, in dem ich sie euch übermittelt habe. Anderenfalls wärt ihr vergeblich zum Glauben gekommen! Ich habe an euch weitergegeben, was ich selbst als Überlieferung empfangen habe, nämlich als erstes und Grundlegendes: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war, und wurde begraben. Er ist am dritten Tag vom Tod auferweckt worden, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war, und hat sich Petrus gezeigt, danach dem ganzen Kreis der Zwölf. Später sahen ihn über fünfhundert Brüder auf einmal; einige sind inzwischen gestorben, aber die meisten leben noch. Dann erschien er Jakobus und schließlich allen Aposteln. Ganz zuletzt ist er auch mir erschienen“, sagt Paulus.
Dies ist ein Erinnerungstext. „Brüder und Schwestern, ich erinnere euch an die Gute Nachricht“. Aus der Guten Nachricht werdet ihr gerettet. Jesus Christus ist für unsere Sünden gestorben: Golgatha. Jesus Christus wurde am dritten Tag vom Tod auferweckt: Das Grab war leer. Jesus Christus zeigt sich seinen Freunden. Erinnert euch.

Zuletzt: Nicht nur wir erinnern uns, auch Gott erinnert sich. Er vergisst uns nicht. Das ist noch das Beste. Gott erinnert sich. Er erinnert sich an den Bund, den er mit uns geschlossen hat. Er erinnert sich an seine Liebe und Güte. Er erinnert sich an die Vergebung, wenn Verfehlung geschieht. Gepriesen sei er.

Frank Rudolph