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Glaube ist ein Lebensstil

Abgedruckt in: Miteinander. Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Niederweidbach, Nr. 41, März bis April 2005, 5-8.


Glaube ist ein Lebensstil und der evangelische Glaube zeigt sich in einer evangelischen Spiritualität. Schon das Wort „Spiritualität“ ist ein „frommes“ Wort. In ihm steckt das lateinische Wort für Geist, „spiritus“. Hier geht es um den Heiligen Geist, den spiritus sanctus. Der Heilige Geist ist die Kraft Gottes, die er an Pfingsten seinen Jüngern ausgegossen hat und den Christen bei der Taufe empfangen. Evangelische Spiritualität, das ist Leben aus dem Heiligen Geist. Der Begriff „Spiritualität“ wird in Deutschland erst seit Ende der 1960er Jahre gebraucht. Früher nannte man das „Frömmigkeit“. Oft wird beklagt, dass der Begriff „Spiritualität“ schillernd sei und uneindeutig. Wenn wir von „Spiritualität" sprechen, dann meinen wir das Leben aus diesem Heiligen Geist Gottes.

Glaube ist immer ein Geschenk von Jesus Christus. Dieses Geschenk des Glaubens bringt eine Beziehung zu Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, und diese Beziehung zeigt sich im Leben eines Menschen. Er lebt seinen Glauben, er hat eine Glaubenspraxis, er lebt ein geistliches Leben. Glauben ist eine Grundhaltung, eine Lebensführung, ein Lebensstil. Das Ziel des geistlichen Lebens, des spirituellen Lebens ist eine wachsende persönliche Beziehung zu Gott.

Es gibt verschiedene Arten der christlichen Spiritualität. Jede christliche Konfession hat Besonderheiten in ihrer Spiritualität. Es gibt beispielsweise eine christlich-katholische Spiritualität, eine christlich-afrikanische Spiritualität, eine christlich-asiatische Spiritualität und eine christlich-evangelische Spiritualität.

Spiritualität verändert sich. Vor hundert Jahren hat man Frömmigkeit etwas anders gelebt. Es geht heute darum, eine zeitgemäße Spiritualität zu leben, die im 21. Jahrhundert passt. Impulse für unsere zeitgemäße Spiritualität kommen aus der traditionellen Frömmigkeit, aber beispielsweise auch aus der weltweiten Ökumene der Christinnen und Christen.

Wir beschreiben die Grundformen der evangelischen Spiritualität in acht Thesen.

1. Zur evangelischen Spiritualität gehört das Lesen in der Bibel, das Meditieren des Wortes Gottes.

Evangelische Spiritualität gibt es nicht ohne die Bibel. Das Lesen der Bibel kann auf viele Weisen geschehen, z.B. das tägliche Lesen in der Bibel mit einem Bibellesekalender, mit einer Jahresbibel; das tägliche Lesen von Bibelworten auf einem Kalender; das Lesen der Herrnhuter Losungen; das Durcharbeiten eines biblischen Buches; der Besuch der Bibelstunde und der Bibelwoche; das Meditieren von Wochenspruch, Monatsspruch, Jahreslosung, Taufspruch, Konfirmationsspruch, Hochzeitsspruch. Zum Lesen der Bibel gehört die Meditation des Gelesenen. Christliche Meditation ist Wortmeditation und Textmeditation. Christliche Meditation ist ein Nachsinnen über das Gelesene. Lesen und warten und nachdenken, was das Wort Gottes bei mir hervorruft. Evangelische Spiritualität speist sich aus dem Gebrauch der Bibel. Dabei sollte man eine Bibel wählen, deren Übersetzung man versteht, gerne auch eine zeitgemäße Übersetzung wie „Die Gute Nachricht Bibel“ oder „Hoffnung für alle“. Man darf einer Bibel ansehen, dass sie gebraucht wird.

2. Zur evangelischen Spiritualität gehört das Singen und der Gebrauch des Gesangbuches.
Neben die Bibel gehört das Gesangbuch. Im Gesangbuch stehen Lieder, Gebete, Bekenntnisse und Meditationen. Zur evangelischen Spiritualität gehört das Singen und die Musik. Evangelische Kirche ist eine Gemeinschaft, in der Sie singen können, selbst wenn Sie unmusikalisch sind. Unsere Gemeinde soll eine singende Gemeinde sein. Singen ist Musik für die Seele. Musik hat in der Kirche nie einen Selbstzweck. Kirchenlieder und Kirchenmusik werden komponiert, gesungen und gespielt zum Lobe Gottes. Wir haben sogar einen Sonntag im Kirchenjahr, an dem es nur um das Singen und Musizieren zum Lobe Gottes geht, er heißt „Kantate“. Mit dem Gesangbuch wird nicht nur in der Kirche gesungen, auch in der Familie, zu Hause, im Konfirmanden-unterricht, im Religionsunterricht. Wir haben einen Evangelischen Kirchenchor, wir singen bei Andachten und Beerdigungen. Auch das Gesangbuch darf Gebrauchsspuren zeigen.

3. Zur evangelischen Spiritualität gehört das Gebet, das Reden mit Gott.

Das Gebet ist die Antwort auf das Wort Gottes, das wir beim Lesen in der Bibel hören. Leben lehrt beten. Die Bibel selbst enthält viele Gebete. Im Alten Testament etwa die Psalmen, das berühmteste Gebet im Neuen Testament ist das Vaterunser. Wir haben wichtige Gebete aus den Gebetstraditionen der Kirche, das Apostolische Glaubensbekenntnis etwa. Man kann wortreich beten oder wortlos, vorformulierte Gebete sprechen, z.B. aus dem Gesangbuch, oder frei formulierte Gebete. Zum Gebet gehört das Danken, das Bitten, die Fürbitte, das Lob und die Klage. Gott hört Gebet. Man kann alleine beten, zu zweit, mit Kindern, in einer Gebetsgemeinschaft. Man kann in der Kirche beten und im Zusammenhang mit dem Lesen in der Bibel. Das Evangelische Gesangbuch hat einen großen Gebetsteil. Die Herrnhuter Losungen drucken nach der Losung und dem Lehrtext ein Gebet ab. Man kann Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch beten. Auch dem Gebet ist ein Sonntag im Kirchenjahr gewidmet, er heißt „Rogate“ (Betet).

4. Zur evangelischen Spiritualität gehört die Feier des Gottesdienstes.

Im Gottesdienst dient uns Gott und wir dienen Gott mit unserem Lob und unserer Anbetung. Im Gottesdienst kommen viele der bereits genannten Elemente der evangelischen Spiritualität vor, das Singen, das Beten und Hören auf das Wort Gottes. Zum Gottesdienst gehört aber noch viel mehr: das Glockenläuten, die Stille und die Ruhe zum Auftanken, die Predigt mit Impulsen, damit das Denken nicht einrostet, das Abendmahl, das Bekenntnis des Glaubens, das Empfangen des Segens und das Erleben der Gemeinschaft. Im Gottesdienst trifft sich die Gemeinschaft der Glaubenden und Zweifelnden. Der Gottesdienst ist die Vollversammlung der Gemeinde von alt und jung, groß und klein. Der Kindergottesdienst wendet sich an alle unter zwölf Jahren.

5. Zur evangelischen Spiritualität gehört die Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern in den Gruppen und Kreisen der Gemeinde.

Eine Gemeinde hat (und braucht) viele Gruppen und Kreise. Gruppen und Kreise für alt und jung, für Männer und Frauen, für Jungen und Mädchen. Es gibt kein Christentum ohne Gemeinschaft. Es gibt kein Glaubensanfang ohne Gemeinschaft. Zu den Gruppen und Kreisen gehören die Hauskreise, Bibelkreise, Jugendkreise, Mitarbeiterkreise, Männerkreise und Frauenkreise. Wir bieten Angebote der Gemeinschaft gegen die Vereinzelung und die Anonymität.

6. Zur evangelischen Spiritualität gehört die besondere Gestaltung des Sonntags und das Leben mit dem Kirchenjahr.

Der Sonntag ist der siebte Tag der Schöpfung, der Ruhetag. Der Sonntag ist der Tag des Erwachsenen- und des Kindergottesdienstes. Der Sonntag ist der Tag der Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Das Kirchenjahr ist wichtig, weil im Kirchenjahr die wichtigen Feste des christlichen Glaubens alle einmal vorkommen: die Adventszeit, Heiliger Abend, Weihnachten, Altjahrsabend, Epiphanias, Passionszeit, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis, Reformationsfest, Buss- und Bettag, Ewigkeitssonntag.

7. Evangelische Spiritualität wird als Einzelperson gelebt, aber auch als Paar und in der Familie.

Paare können gemeinsam beten am Abend und am Morgen, zu Tisch beten, in der Bibel lesen, den Gottesdienst besuchen, eine Andacht im Alltag und am Festtag halten. Mit Kindern kann man singen, beten und Geschichten vorlesen.

8. Evangelische Spiritualität zeigt sich im Engagement in der Gemeinde und der Gesellschaft.

Zu diesem Bereich gehört die Diakonie, die christliche Liebestätigkeit und das soziale Engagement.

Evangelische Spiritualität, das sind in erster Linie acht Punkte und zwei Bücher, Bibel und Gesangbuch. Neben diesen acht Formen und Ausdrucksweisen der evangelischen Spiritualität gibt es weitere Ausdrucksformen, die wahlweise hinzukommen können. Der Tanz etwa, das Gedenken an Heilige und Märtyrer, das Leben der Aktion „7-Wochen-ohne“ in der Passionszeit, Formen der Askese, das Fasten, Tage der Stille leben, Pilgerwege gehen, etwa auf dem Jakobusweg Richtung Santiago de Compostella oder auf dem Elisabethpfad, kurzes oder längeres Mitleben in Evangelischen Klöstern, Kommunitäten und Häusern der Stille und Mitleben der Tagzeitengebete (z.B. Waldhof Elgershausen, Iona, Taize, Offensive Junger Christen, Kloster Kirchberg). Glaube ist die Einübung in einen Lebensstil.

Frank Rudolph