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Faktoren, die den Kirchenbau bestimmen:

- das Gemeindeverständnis
- die Liturgie
- die Sicht auf das Verhältnis von Kirche und Welt, ein Ja oder Nein zum Säkularen
- die Architekturentwicklung mit neuen Formen und neuen Materaialien (z.B. Stahl-Glas war im 19. Jahrhundert nur im profanen Bauen, im 20. Jahrhundert dann auch sakral; seit 1904 Stahlbeton im Kirchenbau)
- die Feindbilder (z.B. den Historismus)
- der Zeitgeist (kirchlich-theologisch und architektonisch)
- die Geschichte (zwei Weltkriege, Phasen des Wiederaufbaus, der Konsolidierung)


Kirchenbau der Moderne (1919-1980):
(1904: erstmals Stahlbeton im Kirchenbau
1919: Schrift von Otto Bartning: Vom neuen Kirchenbau)
1922: Johannes van Acken: Christozentrische Kirchenbaukunst. Ein Entwurf zum liturgischen Gesamtkunstwerk
Dominikus Böhm: 1919/1929 St Josef in Offenbach und 1922 St Peter und Paul in Dettingen
1923: die erste auf Stützen getragene Eisenbetonkirche
1932: Rudolf Schwarz: Fronleichnamskirche in Aachen)


Ziele der Moderne
- Loslösung vom Historimus.
- hin zu neuen Baustoffen
- hin zu neuen Konstruktionstechniken
- hin zu neuer Ästhetik
- im Kirchenbau Aufnahme der Forderungen des Bauhauses

Der Kirchenbau der Moderne begann entweder 1904 mit der Kirche St-Jean-de-Montmartre in Paris von Anatole de Baudot. Bei dieser Kirche wurde erstmals Stahlbeton verwendet.
Oder 1919 mit der Schrift von Otto Bartning: Vom neuen Kirchenbau.
Bartning appelliert, von der Gemeinschaft her zu bauen.
Er lehnt den Historismus ab.
Im Kirchenbau soll die örtliche Gebundenheit der Religionsübung ihren Ausdruck finden.
Bartnins will die Wechselbeziehung der liturgischen und der architektonischen Spannung zum Ausdruck bringen.
Er entwirft seine Sternkirche (1922).
Ein Kreisgrundriss, im Zentrum sind Altar und Kanzel.
Dann die Auferstehungskirche in Essen (1930).
Dann die Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg (1934).

Der Kirchenbau der Moderne brachte in vierfacher Hinsicht Neues und eine große Vielfalt im Kirchenbau entstand.

1. Der neue Baustoff: Das neue Material war Beton und Stahl. Das Bauen mit Beton begann um 1830 in Großbritannien und Frankreich, um 1880 konnte man mit dem Baustoff umgehen. Bis Beton im Kirchenbau verwendet wurde, vergingen noch einmal zweieinhalb Jahrzehnte. Durch den Stahlbeton waren neue, weite Konstruktionen möglich. Die erste auf Stützen getragene Eisenbetonkirche war 1923 Notre Dame de Raincy bei Paris von den Brüdern Perret. Die Betontechnik war jedoch hier noch nicht voll ausgereift. Ihr folgeten St. Therese von Montmagny (A. Perret) und die Antoniuskirche in Basel von Karl Moser (1927). Das Material konnte unterschiedlich behandelt werden. Die Fenster konnten in neuer Weise gestaltet werden, kleine Wandfelder als Lichtpunkte waren möglich, aber auch riesige Glasflächen. Dies veränderte die Lichtregie, die Lichtfülle und die Lichtführung. Mit dem neuen Baustoff wurden kleine, intime Kirchen realisiert, aber auch Kirchen mit würdevoller Monumentalität.

2. Der neue Raum: Mit dem katholischen Architekten Rudolf Schwarz (1897-1961) begann ein neues Nachdenken über den Raum. Seiner Meinung nach musste der Kirchraum asketisch, bildlos, leer, einfach, streng und schmucklos sein um die geistige Dimension und die Stille zu zeigen. Sein Ideal war ein rechteckiger Einraum in weiß. Er setzte auf eine sparsame Ausstattung, Tabernakel, Taufstein, Bänke in silber oder schwarz. Der Altar etwas erhöht als Schwelle zu Gott. 1930 realisierte er auf dieser Weise die Fronleichnamskirche in Aachen.

3. Der neue Grundriss: Mit Otto Bartning begann in den 1922er Jahren ein neues Nachdenken über den Grundriss. Er realisierte 1930 in Essen die Auferstehungskirche als runde Kirche. Das Taufbecken stand in der Mitte, die Bankreihen drumherum. Die Kirche als Predigtkirche und als sichtbare Gestalt der Gemeinschaft wurde betont. Es geschieht eine Abwendung vom Langbau und vom rechten Winkel. Es werden unsymmetrische, unregelmäßige, organische Formen gebaut. Gebäuderänder zerfließen. Es werden Wege erdacht, die dem Gehverhalten besser entsprechen sollen.

4. Die neue Öffnung: Erik Bryggman realisierte 1941 in Turku die Auferstehungskapelle als kastenförmigen, schwerfälligen Bau, der jedoch ein großes seitliches Fenster hat und dadurch lichtdurchflutet ist. Der Raum ist offen, der Blick kann in die Natur schweifen.
Ab 1950 kam der Neuexpressionismus hinzu. Le Corbusier baute von 1953-1955 die Wallfahrtskirche Notre-Dame du Haut Ronchamp in raumplastisch erlebbaren, dynamisch geschwungenen Formen. Die Kirche bietet von jeder Seite einen anderen Eindruck. Ronchamp wurde zum Leitbild.

Von 1955 bis 1965 war ein Höhepunkt des Kirchenbaus.
Ab 1970 spricht man von der Postmoderne im Kirchenbau.
Kritik: Statt lebendiger Dynamik der Raumgestaltung entstand hier und dort eine strukturelle Formlosigkeit.


1920er Jahre, Expressionismus, 1930er Jahre:


1920

Um 1920 kam der Expressionismus in den Kirchenbau, ein starker Ausdruck sollte durch plastische und bewegte Gestaltung, durch scharfe Winkel, gefurchte Oberflächen und keilförmige Öffnungen erreicht werden. Es handelte sich in der Regel um Betonkirchen.

» Limburg, Pallotinerkirche St. Marien katholisch. Erbaut 1924-1927, Architekt: Jan Hubert Pinand (1888-1958). » Decke Schiff - » Decke Chor 1 - » Decke Chor - » Decke Chor 3 .

1925

» Frankfurt, Pfarrkirche St. Bonifatius katholisch. Klassische Moderne. 1926-1927 erbaut, Architekt Martin Weber. » Decke Chor .


» Zürich Wollishofen, St. Franziskus katholisch. 1927. Neoromanische Gestaltung.

» Marburg, Universitätskirche evangelisch. Die gotische Kirche (um 1300) wurde von den Dominikanern erbaut. 1526 Aufhebung des Ordens. 1658 Wiederherstellung als evangelisch-reformierte Kirche. Die Kirche erhielt innen 1926/1927 eine neue Raumgebung und Farbgestaltung. Seitdem hat sie eine gewölbte Kassettendecke in grau und rot. Auch die Emporen erhielten 1927 diese Farbe. Das dunkle Schiff erhält Licht vom Chor. Die Orgel im Chor erinnert an das Wiesbadener Programm und den Jugendstil. Der Lettner ist von 1928. » Bild 2 - » Decke Chor - » Decke Schiff .


» Kleingladenbach, Evangelische Kirche 1928.

» Uder, Evangelische Kirche 1928.



» Rye, St Anthony of Padua katholisch. 1928-29. Spanisch-Romanischer Stil. Italienisches und Englisches kommen in dieser Kirche zusammen. Architekt: John Bernard Mendham.


» Stuttgart, St. Georg katholisch 1929/1930. Architekt Hugo Schlösser. Der Stil der neuen Sachlichkeit. Das erste Gemeindezentrum im süddeutschen Raum. » Decke Chor .

» München, St. Sebastian katholisch (Schleißheimer Straße) 1928/1929. Expressionistische Architektur und als solche eine Ausnahme des sonst heimatverbundenen, traditionellen Kirchenbaus in München. E. Herbert und O. Kurz gestalteten diese Kirche als Preisträger eines Wettbewerbs als Backsteinbau. Wiederaufbau 1945-1949. Renovierung 1983/1984. » Decke Chor .

1930

» München-Harlaching, Heilige Familie katholisch. 1930/1931. Architekt: Richard Steidle. Nüchterne Kastenform. Neun Stufen zum Chor. Die Kirche ist die erste moderne Kirche von Steidle, zu gehört zu den frühesten modernen Kirchen in München. Sie hat eine Nähe zur Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre. Länge ca. 38 Meter, Breite ca. 14 Meter. Der rote Vorhang hängt seit 1957. 1966/1967 Neugestaltung des Altarraums.

» London, Upper Tooting: St Augustine´s church anglikanisch. 1929 – 31. Architekt: H P Burke Downing.


» Prag, Kostel Nejsvetejsiho Srdce Pane - Herz-Jesu Kirche 1928-32. Zitat: „Der monumentale Kirchbau des slowenischen Architekten Jože Plečnik (1872-1957) kann in der tschechischen Architektur der Zwischenkriegszeit als einmalig bezeichnet werden und ist zudem einer der bedeutendsten Sakralbauten des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa.“


» Köln-Riehl, St. Engelbert katholisch. 1930-1932. Architekt: Dominikus Böhm. Der erste moderne Kirchenbau in Köln. Sternkuppel. Kreisförmiger Zentralbau. Die Grundform der Kirche ist die Parabel: parabelförmige Außenwände, im Choranbau barabelförmiges, hohes Seitenfenster. Böhm sagte, er orientierte sich an mittelalterlichen Vorbildern. Der Volksmund nennt die Kirche Zitronenpresse. » Bild 2 - » Bild Spiegelung - » Chor - » Chortreppe - » Chor links - » Chor rechts - » Decke Schiff 1 - » Decke Schiff 2 - » Blick in den Raum .

» Berlin, Kirche Am Hohenzollernplatz Expressionismus. 1930-1933. Architekt Fritz Höger.

» Lisboa, Kirche der deutschen Gemeinde evangelisch. 1933-1934. Architekt Otto Bartning. Moderner Kirchenbau. Schlichte Ausführung. In der Mittelachse hintereinander sind Taufstein, Kanzel und Altartisch. » Bild 2 . - » Bild 3 .

1935

» Reddighausen, Evangelische Kirche heutige Form und Ausstattung 1932-1935, älteste Teile 1495, 1590 und 1606. grisailleartige Bemalung (um 1733?). Kanzelaltarwand von 1932-1935. » Bild 2 - » Decke Schiff .

» London, Ickenham: United Reformed church . 1936.


» Münsterschwarzach, Abteikirche katholisch. 1935-1938. Architekt: Albert Boßlet.

» Delitzsch, St. Marien katholisch. 1936. Architekt: Johannes Reuter. » Bild 2 .



» Rom, SS. Pietro e Paolo katholisch. Intensive Planung 1937-1939. Bauende 1955. Architekten: Arnaldo Foschini, Costantino Vetriani u.a.. Zentralbau, Grundriss griechisches Kreuz. Die Kuppel ist 72 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 28 Metern. Die Kirche ist im "EUR" (Esposizione Universale di Roma). EUR ist der heutige Name eines modernen Stadtviertels im Süden Roms, das nach dem Willen Mussolinis die Weltausstellung 1942 beherbergen sollte. Die ursprüngliche Bezeichnung lautete E42 (Esposizione Universale 1942). Das ganze EUR ist durch moderne und rationalistische (auch faschistische) Architektur geprägt. » Von links nach rechts - » von vorne nach hinten - » von rechts nach links - » Kuppel .


Otto Bartnings Notkirchen:

Otto Bartning war vor dem Krieg bereits ein bedeutender Kirchenarchitekt. Nach dem Krieg entwickelte er ein deutschlandweites Notkirchbauprogramm, um dem Mangel an Gottesdiensträumen nach dem Krieg zu begegnen. Viele Kirchen waren zerstört. Er entwickelte einen Modellraum in Leichtbauweise. Das Holz wurde vor Ort gesucht oder von Gemeinden in Skandinavien oder den USA gestiftet. Trümmersteine konnten beim Bau verwendet werden. Das Grundmodell wurde lokal leicht variiert. Auf diese Weise entstanden von 1947 bis 1951 48 Notkirchen in vier Typen. Die Kirchen wurden nahezu seriell produziert.

» Gießen, Pankratiuskapelle 1949. Eine der 48 Notkirchen von Architekt Otto Bartning.

» Wismar, Neue Kirche evangelisch 1950-51. Die letzte der Notkirchen von Otto Bartning.